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 Indizien und Befürchtungen zu den Folgen hochfrequenter Radiowellen 

Woher die Aufregung?
Indizien und Befürchtungen zu den Folgen hochfrequenter Radiowellen

Rainer Frentzel-Beyme


Je mehr Nächte schlaflos verbracht werden, desto größer wird die Aufregung 
der Betroffenen, diese Erfahrung hat jeder selbst machen können. 

Schlafprobleme sind die häufigsten und nachhaltigsten unter den besonders 
eindrücklichen Beschwerden von Elektrosensiblen, die spüren, sobald sie 
gegenüber Radiofrequenz bzw. Mobilfunkwellen exponiert wurden (s. auch 
Interview mit Gro Harlem Bruntlandt im Kasten S. 153).

Eine Definition von Sensibilität kann entlang des Vorbilds erfolgen, wie 
sie in der Schweizer Studie NEMESIS verwendet worden ist (SCHIERZ&MÜLLER
2000). Hierbei interessiert vor allem der Aspekt der Objektivierbarkeit.

Elektrosensibilität:

Unbewiesene subjektive Überzeugung, dass die festgestellten Symptome und 
Beschwerden auf elektrische und magnetische Felder zurückzuführen sind und 
dass man selber sehr empfindlich dafür sei.

Elektrosensitivität:

Spezifische E. = Nachweisbare direkte Wahrnehmung elektrischer und/oder 
magnetischer Felder.

Unspezifische E. = Nachweisbare indirekte Wahrnehmung elektrischer 
und/oder magnetischer Felder, z.B. in Form von Beschwerden.


Es geht um den Anspruch auf körperliche Unversehrtheit  von 
Nicht-Mobilfunknutzern, die ihre Strahlenbelastung durch Mobilfunk nicht 
verursachen, in Abwägung zum Anspruch flächendeckender 
Mobilfunkkommunikation der Handy-Benutzer, deshalb ist auch Sensibilität 
statt Sensitivität zu berücksichtigen (s. Schweizer Vorsorgewerte)

Diese präventionsorientierte Thematik ist besonders deshalb relevant, weil 
eine Technologie ungeprüft eingeführt wurde,  deren Folgen sich erst im 
Rahmen des natürlichen, ungeplant ablaufenden Experiments in der 
menschlichen Bevölkerung zeigen.
 

[..]

Es geht aber nicht an, die Wirkung auf biologische Systeme als 
nichtexistent abzutun oder diese in der Hoffnung auf den reversiblen 
Charakter der Wirkungen als harmlos zu erklären. Diese Hoffnung begründet 
sich wohl auf die enorme Adaptationsfähigkeit biologischer Organismen.

Eine Abwägung muss daher zunächst auf glaubwürdigen Berichten basierend 
vorgenommen werden - quasi aufgrund von Indizien - auch wenn diese von 
interessierter Seite als unglaubwürdig wegen der angeblich 
voreingenommenen oder ängstlich-befangenen Einstellungen der Betroffenen 
abgetan werden.

Den gegenteiligen Beweis konnten - eben wegen der Behinderung 
einschlägiger Forschung insbesondere in Deutschland - die Betreiber noch 
nicht erbringen, außer einer immerwährenden Standardapologetik mittels der 
Verweise auf Grenzwerte, die nicht überschritten würden.

Diese Grenzwerte sind allerdings nicht aufgrund von Untersuchungen zur 
menschlichen Gesundheit aufgestellt worden und daher aus vielerlei Gründen 
nicht relevant.

Planungssicherheit lässt sich aber nicht aufgrund der ungeklärten 
Situation erreichen, eine Abwägung ebenso wenig. 

Daher hat zu gelten:

“Selbst wenn die Grenzwerte für Mobilfunk gegen exzessive Erhitzung 
schützen, können gepulste Strahlen auch bei geringer Intensität subtile 
nicht-thermische Einflüsse bewirken. Sobald diese Einflüsse 
Gesundheitswirkungen negativer Art hervorrufen, sind die Grenzwerte 
inadäquat” (HYLAND 2000).

[..]

Bei weniger empfindlichen Personen ist darüber hinaus nicht 
auszuschließen, dass sich kumulierende Langzeitfolgen ergeben, die 
eventuell durch die Unempfindlichkeit bedingt zustande kommen, da sich 
höhere Einwirkungsdosen bei “Unsensiblen” im Vergleich mit 
Elektrosensiblen ergeben, die ein Vermeidungsverhalten zeigen um sich zu 
schützen.


Quelle:
umwelt·medizin·gesellschaft · 15 · 2/2002

Zitierte Literatur:

HYLAND, GJ (2000): Physics and biology of mobile telephony, Lancet
356: 1833-36

SCHIERZ, CH. & MÜLLER, CH. (Hrsg.) (2000): Projekt NEMESIS -
Niederfrequente elektrische und magnetische Felder und
Elektrosensibilität in der Schweiz, Tagungsband, Institut für Hygiene
und Arbeitsphysiologie (IHA), ETH Zürich


Kontakt:

Prof. Dr. med. Rainer Frentzel-Beyme
Bremer Institut für Präventionsforschung (BIPS)
Linzer Str. 8

28359 Bremen
Tel.: 0421/59596-0
Fax: 0421/59596-65

beyme@bips.uni-bremen.de


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