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 Presseberichte März 2002
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 Strahlung der Mobiltelefone 

Paris warnt vor Handy in Hose 

Die französische Regierung empfiehlt einen massvollen Umgang mit Handys. Das Schweizer Amt für Gesundheit gibt ebenfalls Präventionstipps - selbst die Anbieter springen auf den Zug auf. 

Ein Gesundheitsrisiko durch Handystrahlung sei nicht ausgeschlossen. Das sagt der französische Gesundheitsminister Bernard Kouchner. Gleichzeitig gaben Experten der Regierung in Paris Tipps, wie man sich vor übermässiger Strahlung schützen kann. 

So sollen Handys vor allem von sensiblen Körperregionen, zum Beispiel vom Bauch einer schwangeren Frau, ferngehalten und längere Gespräche vermieden werden. Gar eine Broschüre mit Verhaltensregeln will die französische Regierung für die 35 Millionen Handybenutzer im Land herausgeben. 


Sterilität nicht ausgeschlossen 

Frankreich ist damit das erste Land, das offensiv Empfehlungen zum Umgang mit dem Handy abgibt. In anderen Ländern - so auch in der Schweiz - gibt es ähnliche Ratschläge, diese werden jedoch nur zurückhaltend erteilt. «Es besteht kein aktueller Anlass, unsere Empfehlungen aktiv zu veröffentlichen», sagt Mirjana Moser. 

Die Strahlenschutz-Expertin vom Bundesamt für Gesundheit fügt hinzu: «Wissenschaftlich gibt es keinen Nachweis für eine schädliche Wirkung von Handystrahlung. Diese kann aber auch nicht ausgeschlossen werden.» Verlässliche Studien, die vor allem auch Langzeitwirkungen und -folgen berücksichtigen, würden frühestens im Jahr 2004 abgeschlossen. 

Trotzdem setzt auch das Bundesamt auf Prävention (siehe Box): «Wir empfehlen, Handys nicht in der Hosentasche zu tragen - dies gilt besonders für Jugendliche.» Denn die Mikrowellen könnten vor allem bei jungen Männern den Genitalbereich erwärmen. «Ist diese Erwärmung zu stark, kann dies zu Sterilität führen.» 


Handy in den Abfalleimer 

Dass Handystrahlen gesundheitsschädlich sein könnten, ist für Hans-U. Jakob keine Frage, sondern eine Tatsache. Der Präsident der Schweizerischen Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener sagt denn auch klar, wo Handys seiner Meinung nach hingehören: «In den Abfalleimer.» Dass das Bundesamt für Gesundheit derselben Meinung wie die französische Regierung ist, ist für Jakob «ein Schritt in die richtige Richtung», über den er sich erstaunt zeigt. Noch gebe sich der Bund aber zu vorsichtig. «Die Warnungen müssen öffentlich kommuniziert werden», fordert der 63-Jährige. 


Branchenverband übt Selbstkritik 

Gemässigter zeigt sich Georges Claude, Swisscom-Mitarbeiter und Vorsitzender für Umweltfragen des Sicta, des Schweizerischen Informatik- und Telekommunikationsverbandes. «Die Offensive der Franzosen ist überzeichnet.» Trotzdem befürwortet er einen massvollen Umgang mit Handys. Bei den Strahlen der Mobiltelefone, die 20- bis 100-mal stärker sind als diejenige der Antennen, sei «Vorsicht geboten». Auch die Hersteller, so Claude, seien bei der Empfehlung von Mobiltelefonen bei Kindern und Schwangeren zurückhaltend. Und er doppelt nach: «Wir behaupten nicht, dass nichts passieren kann. Wir sagen nur, dass es bisher keinerlei Beweise für eine schädliche Wirkung von Handystrahlung gibt.» Deshalb empfiehlt auch der Sicta eine Hörgarnitur für das Handy, wenn man viel und lange mobil telefoniert. 

Claude übt zudem Selbstkritik: «Wir vom Verband sollten offener sein. Denn mit Geheimnistuerei verursachen wir nur Unsicherheit. Wir haben schliesslich nichts zu verstecken.» Damit spricht er den SAR-Wert an, der zeigt, wie stark ein Handy strahlt. Man plane, die SAR-Werte aller Mobiltelefone in einer Tabelle zu publizieren. Noch sei dieses Unterfangen schwierig - «die Hersteller haben noch nicht richtig Freude an dieser Idee», so Claude. 


Schweiz steht im Abseits 

Eine solche Selbstdeklaration würde das Bundesamt für Gesundheit begrüssen. Denn im Bereich der Handystrahlung hat die Schweiz keine eigenen Reglemente, sondern stützt sich auf internationale Verordnungen ab. Auch in der Forschung steht die Schweiz zumindest im Bereich Finanzierung aussen vor. So hat zum Beispiel die britische Regierung im Januar dieses Jahres bekannt gegeben, rund 6 Millionen Euro (zirka 9 Millionen Franken), für die Erforschung von biologischen Effekten von Mobiltelefonen und Sendemasten auf den menschlichen Körper zu investieren. Weitere 6 Millionen Euro steuert die Industrie bei. Untersucht soll in den nächsten vier Jahren unter anderem werden, ob das Benutzen eines Handys das Risiko erhöht, an einem Gehirntumor oder an Leukämie zu erkranken. 


Geld von Interessenvertretern 

Für solche vom Staat mitfinanzierten wissenschaftlichen Untersuchungen fehle in der Schweiz das Geld, sagt Mirjana Moser. Dafür soll eine Forschungskooperation von der ETH und den Mobilnetzanbietern ausgebaut werden, die sich der Frage der Schädlichkeit von elektromagnetischen Wellen annimmt. «Wir wollen die Kooperation in eine Stiftung umwandeln, in der auch Umweltorganisationen mitreden können und bei der das Finanzielle und die Organisation strikte getrennt sind.» Damit unabhängige Untersuchungen garantiert seien, sagt Moser. 


VON MICHAEL KUHN 

Quelle:  Neue Luzerner Zeitung vom 20. 3. 2002

 

 

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